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Tunesien - Teil 1

Die Hotelsuche in Genua war wegen einer Bootsausstellung nicht so einfach, aber es klappte dann schliesslich doch. Mitten im afrikanischen Viertel untergebracht, bekam ich einen ersten Eindruck, was auf mich zukommt. Das Einschiffen ist immer wieder ein kleines Abenteuer! Ohne Auto, aber mit dem Velo: das passt nicht immer so in die Abfertigungsmodalitäten. Es klappte letztlich doch, mit zwei Stunden Verspätung verliessen wir Genua. Ich habe noch nie in meinem Leben so viele Jeeps auf einmal gesehen. Sie waren alle unterwegs zu irgendwelchen Wüsten-Rallyes, und ich alleine mit meinem Velo.

Die Ankunft in La Goulette und die Zollabfertigung waren problemlos. Welcome to Africa !! Tunis macht einen sehr sauberen Eindruck. Zur Zeit ist Ramadan und die Strassen sind deshalb leer gefegt. Das Leben beginnt erst um 20:30 Uhr und dauert bis ca. 23:30 Uhr, aber in dieser Zeit herrscht die typische arabische Hektik. Eine ruhige Schlafmöglichkeit zu finden, wird mich lange fordern. Die Medina (Altstadt) und die Souks (Märkte) sind auf jeden Fall einen Besuch wert. Die Tunesier sind nicht aufdringlich, das macht das Flanieren und Stöbern sehr angenehm. Leider hat das weltberühmte Bardo-Museum mit seinen archäologischen Schätzen am Montag geschlossen (das scheint wohl international so zu sein?).

Es geht dann aufs Velo und ab nach Hammamet. Dort erwartet mich "man spricht deutsch" und eine deutsche Kneipe samt Brauerei - ich bin nicht rein gegangen! Unterwegs spüre ich den Ramadan, keine Möglichkeit irgendwo Essen zu fassen, ich verpflege mich mit ein paar Bananen. Südlich von Hammamet geht es der Küste entlang durch endlose Olivenanlagen, diese werden mich noch die nächsten Tage begleiten, sie bieten ausgezeichneten Schatten für eine willkommene Rast. Die Versorgung macht mir immer noch Sorgen, weil fast alle Läden und Restaurants geschlossen sind. Aus diesem Grund kaufe ich mir ein paar Joghurts, die bekannten Tuc-Tuc-Kekse und den Schmierkäse "predident": Das hält mich tagsüber über Wasser, bis ich abends irgendwo hinter verschlossenen Türen Couscous mit Poulet bekomme. Die Olivenbäume wollen nicht enden; der grösste Teil der Früchte wird exportiert nach Italien; Spanien; Frankreich und Griechenland.

Die Küste entlang zu radeln ist echt schön, wäre da nicht der lästige Gegenwind. Des Kiters Freund, des Bikers Feind. Trotz flacher Landschaft geht es bei ca. 30-40 km/h Gegenwind nur sehr zäh weiter, und das bei 27 Grad. Das Essen wird aufgrund meines Kalorienverbrauchs langsam zum Problem, ich erweitere meinen Speiseplan für unterwegs um Thunfisch in Dosen, lecker?

Die schönste Medina mit Souks die ich je gesehen habe, ist in Sfax. Die tausendjährige Stadtmauer kann man umwandern und dabei alle Handwerks-Souks besuchen, einfach traumhaft; die Medina ist kein bisschen für Touristen zurecht gemacht, einfach typisch tunesisch, auch hier sind die Leute sehr angenehm. Wieder mal Couscous mit Chicken? Die Olivenfelder erstrecken sich bis hinter Sfax, dann beginnt die Wüste und man sieht nur noch Palmen, welche leider nur geringen Schatten für eine Rast spenden. Die Strasse führt geradeaus und nach Schatten sucht man jetzt vergebens. Das Wasser in den Bidonflaschen ist nach einer Stunde schon warm genug, um damit Pudding anzurühren. In dieser Region wird der Ramadan noch extremer befolgt als im Norden; mit meinen Tuc-Tuc-Käse und dem Thunfisch verziehe ich mich aus Respekt irgendwo hin, wo mich keiner sieht. Und das ist nicht immer einfach. Der Abfall ist ein Riesenproblem, die Pet-Flaschen und Plastikbeutel werden zu Millionen einfach auf der Strasse entsorgt, und der Wind trägt sie überall hin. Der helle Wahnsinn. Morgen geht es in Richtung Djerba, dort werde ich ein wenig die Sonne ohne Velo geniessen, bevor es dann nach Libyen geht, bin mal gespannt wie das mit dem Visa und den Genehmigungen geht.

Also bis die Tage
Liebe Grüsse aus Gabes, 14.10.2006

Guenter

 

Bilder aus Tunesien

Die Fahrt durch Tunesien Teil 2

 

Die Route durch Tunesien:



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