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Namibia

Nach hunderten von Kilometern Fahrt geradeaus entlang der nördlichen Kalahari Wüste in Botswana, komme ich an die Grenze zu Namibia. Einmal mehr ein Zollgebäude mitten im nowhere. Die Formalitäten gehen schnell über die Bühne und ich fahre weiter immer geradeaus in Richtung Windhoek. Die Strecke ist wohl schnurgerade, aber immer mit kleinen Steigungen versehen. So wird es mir nicht ganz so langweilig. Wenigstens meint es der Wind gut mit mir. Wie in Botswana ist auch hier der Farmbetrieb mit Rindern die einzige Einnahmequelle.

In Windhoek komme ich mir fast vor wie in Deutschland. Deutsche Geschäfte, Restaurants mit Bier vom Fass und deutschem Essen, wie Eisbein, Rinderroulade etc. Ein paar Biersorten werden noch nach dem deutschem Reinheitsgebot von 1516 gebraut. In der Fussgängerzone geniesse ich Schoggikuchen und ein Kännchen Kaffee. Leider ist die Kriminalität in Windhoek wegen der sehr hohen Arbeitslosenzahl extrem hoch und man sollte nur ohne Taschen in der Stadt spazieren gehen, man wird überall vor Diebstahl und Überfällen gewarnt. Schon wieder eine der vielen Städte, die man abends nicht sicher begehen kann. Ich glaube, Khartum im Sudan war die letzte Stadt, wo ich mich über die 24 Stunden sicher gefühlt habe.

Ich entscheide mich, nicht den direktesten Weg nach Südafrika via der B1 zu fahren, sondern durch die Namibwüste, um mir in Sossusvlei die höchsten Sanddünen der Welt und den Fish River Canyon anzuschauen. Das sind gute 1100 Kilometer ungeteerte Strassen mit grossen Distanzen und wenigen Campingplätzen. So muss ich in Windhoek alle Ess- und Wasservorräte auffüllen, was bedeutet, dass ich auch ein paar Kilogramm mehr Gewicht mitschleppen muss. Frischluft-Tour wird frisch geölt und alle Schrauben nachgezogen und los geht es über den Kupferbergpass in Richtung Westen. Das Wetter meint es wieder gut mit mir, nur wird es eiskalt, sobald die Sonne untergegangen (17.00 Uhr) ist. Morgens steige ich deshalb erst um 9.30 Uhr aufs Velo, weil es mir bei 9 Grad einfach zu kalt ist. Die ungeteerten Strassen sind von relativ guter Qualität, so dass es auch gut vorwärts geht. Die Steigungen nehmen kein Ende, ein ewiges up and down mit viel Staub und Schweiss.

Dafür wird man abends mit dem schönsten Sternenhimmel belohnt, den ich je gesehen habe. Traumhaft! Ich lasse mir auch das südliche Kreuz zeigen, das man nur in der südlichen Hemisphäre sehen kann. Das Max-Planck-Institut hat hier eine Beobachtungsstation eingerichtet. Es geht weiter in Richtung Spreetshoogte Pass. Dieser Pass hat einen Steigunggradienten von sage und schreibe 1:4.5 - 1:6, d.h. gute 17 bis 22% Steigung. Das aber nur von der westlichen Seite her, ich komme glücklicherweise aus dem Osten, wo es nicht ganz so schlimm ist. Auf der Passhöhe hat man einen wunderschönen Ausblick in die Namibwüste. Unterwegs gibt es Gott sei dank immer wieder Übernachtungsmöglichkeiten, wie die herrlichen Gästefarmen. Dort ist das Farmen das Hauptgeschäft und die Zimmer für die Gäste bringen ein wenig Abwechslung in den Alltag und einen Zustupf in die Haushaltskasse. Man ist dort immer sehr willkommen und hat auch die Möglichkeit am täglichen Farmleben teilzunehmen. (Tipp: Lovedale Farm auf www.lovedale.iway.na). Wenn es keine Gästefarmen hat, frage ich bei einer der vielen anderen Farmen, ob ich mein Zelt aufschlagen kann. Immer werde ich sehr freundlich empfangen und ich bekomme auch ein Zimmer. Die Farmen sind bis zu 15000 Hektaren gross und betreiben Rinder und Schafszucht (Karakulschaf). Mitunter muss ich nun das Velo von der Strasse bis zur Farm mehrere Kilometer durch Sand und Geröll schieben. Aber es lohnt sich, die Gastfreundschaft ist wirklich toll. Die wenigen Ansiedlungen, die es unterwegs gibt (z.B. Solitaire, Helmringhausen, Betta), sind einzigartig, eine Tankstelle, einen Shop, ein paar Häuser mitten im Nichts, aber es hat immer Schokalade zu meiner Verpflegung. Ich und Frischluft sehen jeden Abend wie frisch gepudert aus, der Staub setzt sich überall fest und noch nie war eine Dusche so herrlich. Es gibt extrem wenig Verkehr und an manchen Tagen sehe ich nur drei Autos auf der ganzen Strecke, so richtig lonley rider mässig komme ich mir vor. Ich fühle mich aber sehr wohl, die Landschaft ist, wie schon gesagt, einzigartig und abwechslungsreich. In Südafrika sind Schulferien und viele Südafrikaner entfliehen dem kalten Winter im Süden. Auf den Campingplätzen bin ich mit Frischluft immer der Mittelpunkt und werde zum Braai (Grill) eingeladen, natürlich mit genügend Bier. Auf einem Campingplatz komme ich gar nicht einmal zum Anmelden resp. Zelt aufbauen, eine Gruppe Südafrikaner fängt mich sofort mit kaltem Bier ab und will alles über die Reise wissen - das sind schöne Momente. Ich bekomme Tipps für die ganze Strecke bis nach Kapstadt, wo ich übernachten und gut essen soll...

Die Pisten in Richtung Fish River Canyon werden schlechter, und ich muss Frischluft manchmal Kilometer lang durch tiefen Sand schieben und wenn dann noch ein Urlauberauto (mit Klimaanlage und 4-Ganggetriebe) an mir vorbeirast, ist es vorbei mit lustig. Staub, Sand und Schweiss verkleben unangenehm. Das ist aber die Ausnahme. Meistens halten die Autos an und bieten mir Früchte und Wasser an, was ich immer dankend annehme. Das Wetter wird schlechter, ich komme mir vor, wie auf dem kleinen Matterhorn bei einem Schneesturm. Der Durchschnitt sinkt dann rapide und es macht auch keinen Spass mehr, leider hält dann auch der Wind tagelang an. Der Fish River Canyon ist ein weiteres Naturschauspiel erster Güte. Nur der Grand Canyon in den USA ist grösser. Die Landschaft sieht aus wie auf dem Mond und wären da nicht ein paar Autospuren im Sand, ich glaubte, ich wäre tatsächlich dort. Im Gegensatz zu allen vorher bereisten Ländern sieht man in ganz Namibia auf dem Land keine Menschen auf den Strassen. Das liegt an der geringen Einwohnerzahl (ca. 1.7 Mio.) und an der Grösse. Namibia zählt zu den dünnst besiedelten Ländern der Welt. Das ist beim Velofahren eine ganz neue Erfahrung, und ich fühle mich vermehrt wie ein lonley rider im Nichts. Kurz vor der südafrikanischen Grenze in Ausserkehr am Orange River auf einem Campingplatz höre ich, dass neben mir Züridüütsch gesprochen wird. Es ist Familie Kamer aus Muri bei Bern, die in Namibia Ferien macht. Das Tollste kommt aber noch, Felix arbeitet beim gleichen Arbeitgeber wie ich (Swisscom) und wusste über meine Tour Bescheid. Ein Kollege von mir hatte ihn darüber informiert - und dann trifft man sich einfach so. Tolle Zufälle.

Nach 1100 Kilometern ungeteerter Strasse durch die wilde Landschaft Namibias komme ich an die Grenze zu Südafrika und geniesse eine glatte Teerstrasse. Die 1100 Kilometer waren in jeder Beziehung einer der schönsten Abschnitte auf meiner Tour. Es hat alles gepasst: Landschaft, Unterkünfte, Essen, Strassen... Für Frischluft-Tour war es eine richtige Herausforderung und es hat dies bravurös gemeistert. Jetzt habe ich noch etwa 700 Kilometer bis zu meinem Endziel in Kapstadt, das Wetter am Kap soll nicht gut sein. Regen und Wind. Aber schauen wir mal.

Ich werde mich langsam damit abfinden müssen, dass sich meine Reise dem Ende nähert und dass das Leben eines Velo-Nomaden ein Ende haben wird. Aber lassen wir das alles in Ruhe auf uns zukommen...

 

Bilder aus Namibia

Die Fahrt durch Südafrika

 

Die Route durch Namibia:



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