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Libyen - Teil 3

Die ersten Steigungen in die Green Mountains tun richtig gut nach 2000 km ausschliesslich flachen Etappen. Die Landchaft wird auf einmal grün und ich sehe braune Erde mit Gemüseanbau. Auch die Temperaturen werden langsam angenehm und ich geniesse die kühle Höhenluft, der Verkehr wird auch weniger.

Das Mittelmeer leuchtet so richtig schön türkisfarben und lädt zum Baden ein, leider ist es ein wenig kalt und zu stürmisch. In Al Marj, einer kleinen Stadt mit nur einem Hotel werde ich mitten von der Strasse weg von einer Zivilstreife lauthals und sehr konkret aufgefordert ins Auto zu steigen und mit zukommen, kein Ausweis, nichts wird mir gezeigt, mir wird richtig mulmig zu mute. Ich füge mich und im Auto dreht sich die Stimmung und die Zivilpolizei bietet mit Kekse an und fährt mich zur Polizeistation. Dort sitze ich beim Chef und nichts passiert. Auf einmal fällt der Begriff Allemani, dann Klinsmann und Ballack etc. und das war's. Ich kann wieder gehen, keine Ahnung was das Theater bedeuten sollte. Seitdem bin ich, wenn kurz vor mir ein Auto hält und mich stoppt, immer wieder ein wenig nervös, besonders da die Libyer das mittlerweile sehr oft tun, um mir ihre Handynummer zu geben und vier Wörter englisch reden wollen. In zwei Städtchen werde ich am Ortseingang von einem Zivilfahrzeug (Polizei) angehalten und sie wollen wissen woher ich komme und wohin ich möchte (gut, dass ich die Fragen mittlerweile kenne und in gebrochenem Arabisch antworten kann). Wenn ich in dem Städtchen übernachte, bringt mich die Polizei dann bis ins Hotel und das war's. Sie sind aber alle sehr freundlich, seitdem fühle ich mich aber permanent beobachtet.

Ein Highlight von solch einem Stopp war ein Libyer, der anhielt und auf mich zu rannte mit einer Banane und einer vergoldeten Armbanduhr in der Hand mit Gadaffi auf dem Zifferbaltt und mir die ohne Kommentar einfach schenkte. Da die Uhr mit Datum und Tagesanzeige ist, habe ich jetzt immer den Überblick (siehe Bildergallerie).

Die alten griechischen Städte Cyrene (ein Abbild von Delphi) und Apollonia (ca. 2600 Jahre alt) sind sehr gut erhalten. Mit ihren Mosaiken, auf denen man sogar rumlaufen kann, sind echt einen Besuch wert. Hier treffe ich auch wieder mal Touristen aus aller Welt und spreche ein paar Worte Englisch. Der Hotelier lädt mich zum Übernachten und zum Diner ein, mit Blick aufs Mittelmeer geniesse ich die Ruhe. In Richtung Ägypten gibt es wunderbare Strände, welche noch überhaupt nicht genutzt werden, zum Baden laden sie wegen dem Dreck auch nicht unbedingt ein. In Tubruq vor der ägyptischen Grenze werde ich dann mit dem 2. Weltkrieg konfrontiert, es gibt Friedhöfe von den Franzosen, vom Commonwealth und von den Deutschen. Das zieht sich bis nach Alexandria hin. Rommel und Montgomery lassen grüssen. Viele Gräber haben Daten von etwa 20-jährigen Soldaten...

Die Green Mountains waren der interessanteste Teil von Libyen in bezug auf Landschaft und Kultur, die letzten 200 km bis zur Grenze sind wieder eintönige und dreckige Wüste. Der Grenzübergang war ein kleines Erlebnis. Hunderte von Lkws, Autos und noch mehr Leuten kreuz und quer durcheinander. Ein libyscher Zollbeamter nimmt sich mir freundlicherweise an und schleust mich durch alle Kontrollen bis zur ägyptischen Seite. Fast wäre ich noch verhaftet worden, weil ich Fotos gemacht habe - ging nochmal gut.

Fazit: Drei Wochen mit dem Velo durch Libyen ist schon heavy, der Verkehr und der Dreck, da muss man sich erstmal daran gewöhnen, gut dass die Leute extrem freundlich sind, das macht vieles wett. Die Küstenroute ist sehr langweilig, ein wenig Abwechslung bieten nur die Green Mountains. Die Libyer sind eher passiv im Gegensatz z.B. zu den Ägyptern, die immer was von dir wollen. Das macht es sehr angenehm zum Reisen. Tourismus hat in Libyen nur in der Wüste und an den drei Sehenswürdigkeiten ein wenig Bedeutung, das merkt man auch immer wieder, wenn man ein Hotel sucht. Es ist noch vieles staatlich organisiert. Wie mir gesagt wurde, fängt die Reprivatisierungswelle gerade erst an. Das heisst, was Gadaffi vor 36 Jahren verstaatlicht hat, wird jetzt wieder von ihm privatisiert.

Die Preise sind moderat, das heisst, ein Hotelzimmer bekommt man, wenn es eins hat, für etwa CHF 10-30. Der Zustand ist relativ gut und Internet ist fast überall zu ca. CHF 1 / pro Std. verfügbar. Ansonsten kann man irgendwo an einem Haus anklopfen und fragen ob man übernachten kann, das geht ohne Probleme. Es gibt auch eine Anzahl von youth hostels die ca. CHF 4 kosten und nicht schlecht sind. Essen kann man sehr preiswert in den lokalen Restaurants (oder besser gesagt offenen food stalls) Kebab, Pizza, etc. für ca. CHF 5. Die Dose Thunfisch erhält man bereits für CHF 0.75. Dann wiederum zahlt man manchmal wo anders CHF 20 für das Gleiche, warum habe ich allerdings nie rausgefunden.

Die Restriktionen mit dem Visum und dem lokalen Guide werden anscheinend nicht mehr so restriktiv wie auch schon gehandhabt. Zwei Radler (Dana und Frank) aus Dresden hatten in Berlin bei der libyschen Botschaft für 30 Tage ein Visum bekommen ohne Guide und ohne weitere Auflagen. Patrice aus Frankreich hat in Tunis innerhalb von drei Wochen ein Visum bekommen auch ohne Guide. Es lohnt sich also entweder in Tunis zu warten oder bei der zuständigen Botschaft hartnäckig zu sein. Der lokale Guide kostet nämlich ein Vermögen, bis zu 50 Euro (ohne Auto) pro Tag und dieser spricht meistens kein Englisch und kennt das Land nicht. Meiner hat zum ersten Mal eine Strassenkarte von Libyen gesehen und war zum ersten Mal an der Küste und in Bengasi. Der Strassenzustand ist relativ gut, aber es heisst auf die teilweise metergrossen Schlaglöcher und die fehlenden Kanalisationsdeckel in den Städten aufzupassen. Ich habe wirklich keinen einzigen libyschen Velofahrer gesehen?

Bye Bye Libyen

 

Bilder aus Libyen

Die Fahrt durch Ägypten Teil 1

 

Die Route durch Libyen:



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