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Libyen - Teil 2

Nachdem ich es schadlos bis Tripolis geschafft habe und dort drei Tage mit Polizei (wegen Passeintrag) und DHL (wegen Mastercard) verbracht habe ging es in Richtung Laptus Magna. Laptus Magna ist eine der drei ancient cities und liegt direkt am Meer.

Es ist UNESCO Weltkulturerbe und echt einen Besuch wert. Laptus Magna ist eine römische Siedlung und ca. 2200 Jahre alt. Die Siedlung wurde die letzten Jahrzehnte teilweise ausgegraben und gibt einen sehr guten und erhaltenen Eindruck wie zur Blütezeit des römischen Reiches ca. 100000 Leute gelebt haben. Wirklich einzigartig. die Schnelltour alleine dauert ca. vier Stunden. Die Basilika, das Theater, die Bäder, der Markt sind so gut erhalten, dass man sich um 2000 Jahre zurückversetzt glaubt. Besucher sieht man so gut wie kaum. Unterwegs werde ich immer wieder von Libyern in ihrem Auto angehalten und es werden Fotos und Videos mit den neusten Handys von mir oder gemeinsam gemacht. Mobile telefonieren ist eine Sucht hier, jeder hat mindestens ein Handy wenn nicht sogar zwei und diese immer in den Händen. Wenn man dann mal eins benutzten will, heisst es aber immer wieder, "sorry no charge" (Batterie leer) oder "no balance" (Prepaid-Karte ist leer) der Verkehr lässt auch ein wenig nach, was aber nicht heisst das es ungefährlicher wird. Die Strassen sind teilweise voll von Schlaglöchern, so das Slalomfahren angesagt ist. Die Distanzen zwischen den Ortschaften werden auch immer länger so dass noch eine Dose Thunfisch mehr im Gepäck Platz findet. Irgendwann leuchte ich mal wegen dem Schwermetall wie ein Glühwürmchen. Nur gut, dass es überall gekühlte Getränke gibt. So langsam lerne ich auch die Preise kennen, und staune wie billig Lebensmittel und Benzin ist. Es gibt hier nur Scheine, das hat den Vorteil, dass du das Gewicht der Münzen nicht mit dir tragen musst.

Tatsache ist, dass ich einer der wenigen Individual-Reisenden bin und das mit einem Velo. Ausländer kommen mit organisierten Reisen oder es sind Monteure, die hier arbeiten. Das ist für die Libyer sehr ungewohnt und sie machen sich Sorgen um mich im speziellen wegen dem Verkehr. Ich habe bis jetzt kein einziges Velo gesehen. Jetzt verstehe ich auch die Autofahrer. Ein junger Student hat mir mal gesagt, dass nach der Revolution 1969 Sport keinen Stellenwert mehr hatte resp. staatlich nicht gefördert wird. Schule, Uni, Strom, Spital und Wasser sind für die Bevölkerung umsonst. Der sozialistische Staat schaut nach seinem Volk. Das Durchschnittseinkommen liegt bei ca. 750 CHF/p.Mt. Ich habe mittlerweile Dutzende von zwei Quadratzentimeter grossen Zettel bei mir mit Handynummern und Yahoo-Email-Adressen, wenn ich einmal Hilfe benötigen sollte. Ab und zu zahlt irgendein Unbekannter im Food Stall mein Essen, einfach so. sehr oft werde ich gefragt ob ich Geld brauche oder sonst irgendetwas. wirklich sehr fürsorglich die Libyer. Ansonsten scheinen sie mir eher arbeitsscheu, es gibt sehr viele Marokkaner, Ägypter, Sudanesen und Westafrikaner hier. Der richtige libysche Mann macht Business, raucht von morgens bis abends in einem der vielen Strassenkaffees Shisha und macht halt Business.

Das Bildungsniveau scheint mir relativ hoch, es wird gut englisch gesprochen, zumindest in den drei Zentren hier. Der Rest geht mit Händen und Füssen und ein wenig arabisch. Die Küstenstrasse von Misratha nach Bengazi ist stinklangweilig, immer nur geradeaus. Mein GPS zeigt nur links das Meer, dann eine Strasse, dann ein Pfeil (das bin ich) und rechts die Wüste, und das über hunderte von Kilometer. Keine Ortschaft, gar nichts. Allah sei Dank, dass es doch alle hundert Kilometer einen kleinen Verpflegungsposten gibt. Bei einer Polizeikontrolle bekomme ich von einem Polizisten alkoholfreies gekühltes Bier geschenkt, lecker. Die Wüste ist keine Sandwüste, sondern eine Dreckwüste (Petflaschen, Plastikbeutel und Konservenbüchsen) mit ein paar Büschen und Steinen, sonst nichts. Hier befinden sich die grössten Raffinerien Nordafrikas, für Oel und Gas. Da die Küste kein Wasser hat, wird dieses aus bis zu 500 Kilometer Entfernung aus der Wüste Pipelines mit fünf Meter Durchmesser aus der Wüste hier her gepumpt. Libyen ist seit den Oelfunden ende der 50er Jahre das reichste Land Afrikas und kann sich komplett selbst versorgen.

Die Autounfälle sind sehr spektakulär und es vergeht kein Tag, wo ich nicht an einem Haufen Schrott vorbei fahre. Kein Wunder bei dem Zustand der Autos, Gas geben, bremsen und hupen das muss funktionieren, der Rest ist Luxus. Die Millionen von defekten LKW-Reifen am Strassenrand bieten eine bequeme Raststätte für mich und mein Fladenbrot mit Thunfisch. Ich habe gar nicht gewusst, dass Reifen soviel Stahl enthält. Ein Vergnügen der Autofahrer ist es, wenn sie mich sehen, egal von welcher Richtung, zu hupen und zu winken. Am Abend heisst es nur noch ein ruhiges Zimmer zu finden, wenn möglich weit weg von irgendeinem TV- oder CD-Laden. Dort heisst es fast 24 Stunden voll Power. Kein Plätzchen ohne Fernseher hier. die schönsten Stunden sind zwischen 3 Uhr morgens und 8 Uhr morgens. Da schlafen auch die business men.

Zurzeit bin ich in Bengazi, um Wäsche zu waschen und das Internet zu pflegen. An dieser stelle ein Dankeschön an alle die mir mailen, ich freue mich über jede Mail und versuche sie auch zu beantworten. Die Internetcafe-Dichte ist hier übrigens ausgezeichnet, und alle sind klimatisiert und rauchfrei, und das in einem Land, wo praktisch jeder Marlboro-Kettenraucher ist. Vorgestern war ich direkt am Meer Seafood essen, 1 kg frisch gegrillte Octopus, Calamares mit Salat, zwei Fanta und Brot für ca. CHF 3.50. Heute geht es noch einmal dahin. Gestern gab es eine halben Hahn mit Salat und Brot für CHF 3.50, danach in eine der herrlichen Patisserien (in Tunesien gab es wesentlich mehr davon) für 500gr Sahnegebäck und ein Stück Torte CHF 4.50 und danach die obligatorische Shisha mit Green Tea (leider kein the de mint aus Maroc?) für CHF 0.75. Ich brauche die Kalorien da es morgen am 4. November 2006 in die green mountains (Al Jabal Akhdar) in Richtung Ägypten geht. Endlich mal Berge!

So ihr Daheimgebliebenen, das war's in kürze.

Salaam aleikum aus Bengazi

Günter, 3. November 2006

 

Bilder aus Libyen

Die Fahrt durch Libyen Teil 3

 

Die Route durch Libyen:



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