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Ägypten - Teil 2

Die Visaverlaengerung fuer den Sudan hat geklappt, es dauerte 4 Tage und jeden Tag hiess es:"come tomorrow or the day after tomorrow", am vierten Tag war eine anderer Mitarbeiter hinter dem Counter und auf einmal war es eine sache von 5 Minuten, Eintrag in den Pass plus Stempel und das war's. Ich nutze die freien Tage und schaue mir die Pyramiden, das Aegyptische Museum, das islamische Viertel und vieles mehr an. Die zeit vergeht wie im Fluge und ich muss mich auf die Socken fuer meine Wuestenetappaen machen.

Da ich nicht weiss wie die Verpflegungssitiutaion unterwegs ist, kaufe ich fuer die ersten 400km bis zur ersten Osae 15l Wasser und genuegend Spaghetti und Tomatensauce. Kaffee und Tee und das Fladenbrot darf auch nicht fehlen. Das Velo wackelt ganz schoen mit dem ganzen Gepaeck und ich mache mich auf eine anstrengende Etappe gefasst. Der Weg aus Cairo ueber Giza und October City zur Wuestenstrasse zieht sich und ich brauche gut 3 Stunden bis ich endlich auf der richtigen Strasse bin. Unterwegs geniesse ich noch bei einem Fast-Food-Stand ein paar Falafel und dann geht es los. Der Verkehr wird merkbar weniger und es geht nur gerade aus. Linkerhand ist eine Eisenbahnstrecke und eine Menge Raffinerieren und sonstige Fabriken zu sehen, ich fuehle mich also nicht ganz so alleine wie erwartet. Die Strasse ist flach und ich habe endlich mal merkbaren Rueckenwind. Der Zustand der Strasse ist super, toller Asphalt ohne Schlagloecher.

Es ist rundherum flach und relativ eintoenig. Ich mache mir Gedanken, wo ich uebernachte und das Zelt aufschlage. Die Wueste hier ist eine reine Geroellwueste ohne Sand. Nach gut 100km finde ich ein Plaetzchen wo es windstill ist und ich bereite meine erste Wuestennacht vor. Da die Temperaturen o.k. sind verzichte ich auf das Zelt und schlafe auf der Matte mit Schlafsack. Es ist still und schon fast unheimlich ruhig, ich sinke aber in einen tiefen schlaf bis mich um 8 Uhr die Sonne wach kitztelt. Tee kochen und schlabriges Faldenbrot mit Streichkase sind mein Frühstück. Die Strecke aendert sich nicht, immer geradeaus und Geroell links und rechts. Es gibt auch ein wenig Verkehr, aber ich kann die Autos an zwei Haenden abzaehlen. Alle gruessen mich mit Hupen.

Den zweiten Tag schlafe ich einer Ambulanzstation, welche ca. alle 70km gebaut wurde. Dort arbeiten meistens drei Leute und warten auf Unfaelle, die angeblich einmal im Monat vorkommen: 1x Nurse (maennlich), 1 x Driver und einer, der kocht etc. Ich lerne wieder Domino zu spielen und gewinne auch manchmal. Es gibt die Ambulanzstaionen die ganzen 1400km bis Luxor, sie bieten Abwechslung und eine willkommene Schlafgelegenheit. In Richtung Baharija wird die Landschaft schon interessanter. Es tauchen kleine Erhebungen links und rechts auf, die wie kleine Pyramiden oder Tafelberge aussehen. Nach drei Tagen und gut 400 Kilometern komme ich in Baharija an und freue mich auf ein Hotel. Hier faengt die "Black Desert? an. Die Landschaft ist von schwarzem Vulkangestein und Staub ueberzogen, daher der Name.

Die Oasen befinden sich in riesigen Wuestensenken (Depressionen), welche vor Millionen von Jahren mit Wasser gefuellt waren. Die Senke von Baharija umfasst ca. 2000qkm. Hier wachsen Palmen und es werden Gemuese und Obst angebaut. Es sind keine Oasen, wie ich sie mir von den Kalenderbildern vorgestellt habe - Sandhuegel, Zelte und Tuaregs - nein es sind Doerfer mit Strassen und Schulen; alles was so ein Dorf halt braucht. Die Senke betraegt bis zu mehreren 100Hm, das sind dann schoene, kurze Downhills oder Uphills. Die Oasen werden durch zahlreiche Quellen mit Wasser versorgt, die sehr schwefel- oder eisenhaltig sind. Viele Brunnen werden als Gesundheitsbrunnen bezeichnet und sind benutzbar zum Erholen und Waschen, auch ich geniesse ein paar und rieche danach wie ein faules Ei oder ein. Eisenwerk. Aber es tut gut .

Zwischen Baharija und der Oase Farafra ist die beruehmte Wueste - White Desert - ein einmaliges Naturschauspiel aus weissen Kalkgebilden, welche unglaublich bizarre Formen darstellt, "Mushrooms", "Chicken", "Cobras" etc. - traumhaft schoen. Hier fahren auch die meisten Touristen hin. Ich treffe in "The Middle of Nowhere" Dennis aus Neuseeland mit seinem Velo und wir fahren gemeinsam ein paar Tage zusammen. Der Verkehr wird immer weniger und ich kann die Autos pro Tag an einer Hand abzaehlen. Mittlerweile ist Vollmond und wir geniessen bei Sternenhimmel und Sonnenuntergang unsere Spaghettis mit Thunfisch (das musste ja kommen). Wir verstehen uns praechtig und der Abschied faellt schwer.

Es geht weiter zur Oase al Dakhlar, welche sehr schoen liegt und ein sehr grosses Gemueseanbaugebiet ist. Die Versorgungslage ist sehr entspannt, da es doch ueberall kleine Anwesen gibt mit Wasser gibt. Die Ambulanz und Polizeistationen helfen auch aus, wenn noetig. Das Wuestennomadenleben wird zum Alltag, ein windstilles Plaetzchen rechts oder links der Strasse suchen, Kocher aufbauen, Tee kochen und Schlafsack zurecht machen - that's it. Um 17:30 Uhr wird es dunkel und ab 16 Uhr schaue ich nach einem geeigneten Platz. Manchmal gibt es auch verlassene Haeuser, die Schutz vor Wind bieten. Bedenken, dass ich verdurste oder verhungere tauchen nicht auf, die Satteltaschen sind gefuellt und wie gesagt, Wasser gibt es auch. Optimal ist die Reisezeit jetzt. Tagsueber wird es ca. 27 Grad warm und nachts ca. 10 Grad. Ich fahre immer so gegen 9:00 Uhr weiter, da waermt die Sonne schon schoen. Solange es gegen Sueden geht, hilft der Nordwind. Muehsamer wird es in richtung Osten, da gibt es Seitenwind der nervig sein kann. Umgekehrt wuerde ich die Strecke nicht fahren. Dattel sind uebrigens fester Bestandteil meiner Nahrung. Sie schmecken koestlich, machen satt und kosten fast nichts.

Hinter der Oase Al Dakhlar wird es dann ganz einsam, zwei Autos am Tag und sonst nichts, immerhin gibt es Sandwueste. Die strecke nach Al Kharga ist das Gleiche, ein Teerstreifen der mir gehoert - die ganze Fahrbahn fuer hunderte von Kilometern. Es wird aber trotzdem nicht langweilig, die Polizeistationen und Ambuanzleute freuen sich ueber jeden Vorbeikommenden. Es wird Tee getrunken und Shisha geraucht und dann geht es weiter. Die Polizei hat immer Strassensperren eingerichtet,an denen man anhalten muss. Man wird gefragt: "Nationalty" ? - und das war's. Die Polizisten tragen das in eine Art Schulheft ein. Die leeren Benzintonnen werden beiseite geraeumt und weiter geht es. Warum in der Einsamkeit Kontrollen sind, weiss ich nicht, Tatsache ist, man verfolgt die komplette Route eines Reisenden (ueber Funk) und alle Polizeistaionen wissen Bescheid. Das gibt ein beruhigendes Gefuehl, aber vielleicht hat der Staat auch ein kleines Paranoia-Problem. Es gibt in ganz Aegypten unzaehlige von Polizeieinheiten: Tourimus-, Verkehrs-, Stadt- und was weiss ich Polizei. Ich bekomme das Gefuehl nicht los, dass 80% der maennlichen Bevoelkerung irgendwie fuer den Staat arbeiten.

Nach 1400km ist Luxor erreicht und ich leere meine noch fast vollen Wasserbeutel fuer die naechste Zeit aus. In einem netten Hotel an der Westbank verwandele ich mich von einem Wuesten-Velonomaden in einen Touri. Man spricht deutsch. Fazit: die Wuestentour war einmalig und ich wuerde sie jederzeit wieder machen. Sie stellt keine grossen Ansprueche an Mensch und Material. Der Reisende ist halt auf sich alleine gestellt und trifft nur ca alle 1-3 Tage jemanden zum reden, aber auch das hat seine Reiz. Die Natur und Ruhe ist einmalig. Die Oasenbevoelkerung sind einfache, freundliche Leute mit einer herzlichen Gastfreundschaft, die mir sehr gut getan hat.

Jetzt geniesse ich Luxor. Caro kommt mich besuchen und bringt Cervelat und Kaese mit. Dann geht es am 1.1.07 mit dem Schiff von Assuan nach Wadi Halfa in den Sudan. Dort erwartet mich wieder Wueste, dann aber ohne Teer, naemlich "Dirtroad", das wird mein naechtes Abenteuer.

Der naechste Bericht wird so in sahllah aus Khartum kommen.

Ich wuensche allen Leser/Innen eine friedliches Weihnachtsfest und einen gueten Rutsch in das neue Jahr.

Sallam aus Luxor

 

Artikel aus dem Tagesanzeiger vom 29.11.2006.

Bilder aus Ägypten

Die Fahrt durch den Sudan

 

Die Route durch Ägypten:



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