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Abschlussbericht meiner Velotour

Oberrieden im November 2007:

Seit gut 3 Monaten bin ich wieder zu Hause, nach 14000km und rund 300 Tagen mit dem Velo „Frischluft Tour“ unterwegs gewesen. Quer durch Afrika, durch 14 Länder.

Es wird mir erst jetzt langsam bewusst, was ich geleistet habe. Am 1.Oktober 2006 bin ich ohne grosse Vorstellungen losgefahren, mit dem Ziel Kapstadt ca. August 2007 zu erreichen.

Wenn man so unterwegs ist wie ich, nur das Velo, das Zelt, die Kochutensilien, wird man unabhängig, man hält da, wo es einem gefällt, man übernachtet da, wo es einen netten Platz gibt (nicht immer) oder man bleibt bei sehr netten Einheimischen, die einen einladen 1-2 Tage hängen. Man wird vogelfrei, es dauert ein wenig bis man sich als Mitteleuropäer daran gewöhnt hat, ich darf vorweg nehmen, es ist ein traumhaft schönes Gefühl, sich treiben zu lassen und die Atmosphäre um sich herum aufzusaugen und die Einfachheit um sich herum zu geniessen. Die Natur, die Gastfreundlichkeit, die Neugierde der lokalen Bevölkerung, all das braucht Zeit, um sich daran zu gewöhnen. Insbesondere aber, muss die innere Bereitschaft etwas Neues zu erleben vorhanden sein.

Bei mir war die mentale Herausforderung grösser, als die körperliche Anstrengung, bei Wind und Hitze, schlechten Strassen, etc. zu radeln. Das velofahren wird zur Routine (nach ca. 2000km), aber die tägliche Suche nach Essen, Trinken, Unterkunft, die nicht endenden Fragen der lokalen Bevölkerung, einen ruhigen Platz zu finden, um die Tageserlebnisse alleine zu verarbeiten, das waren für mich die wirklichen Herausforderungen. Nach ca. 6 Monaten schleicht sich auch eine Art Routine ein, dann heisst es, sich selbst zu motivieren, das ist nicht immer ganz einfach.

Man lernt es, die für uns Mitteleuropäer selbstverständliche Sachen, wieder zu schätzen, sei es eine saubere Toilette, ein sauberer Tisch zum Essen, mehr zu reden als; how are you, where are you from, do you have money, give me a pen, etc. Ein nettes Lachen und winkende Hände mit einem „good journey, bon voyage“ von einer Kindergruppe am Strassenrand, sind ein regelrechtes Highlight für den Tag.

Die Afrikaner sind (meine Erfahrung) zu 99.9% sehr neugierig und haben auch alle Zeit der Welt. Sie wollen alles wissen, was ihr Sprachschatz hergibt, man muss sich dessen bewusst sein wenn man durch Afrika radelt. Ich habe gelernt darauf einzugehen. D.h. ich habe immer versucht mir die Zeit zu nehmen und die Fragen zu beantworten. Ich konnte nachvollziehen, was es in dem doch eher monotonen Leben eines Afrikaners bedeutet, einen Weissen auf dem Fahrrad zu treffen und mit ihm Löcher in Bauch zu fragen. Wahrscheinlich wurde später von mir noch tagelang erzählt. Je offener man auf die Leute zugeht, umso erlebnisreicher wird eine solche Reise.

Ich wurde immer wieder gefragt ob es ein „Lieblingsland“ für mich gibt. Dies kann ich beim besten Willen nicht beantworten. Jedes Land hat einen positiven Eindruck hinterlassen, oft war es nicht nur die eindrucksvolle Naturkulisse, sondern wie schon erwähnt, die Kleinigkeiten die ich tagsüber erlebte. In Libyen die geschenkte Gaddafi Armbanduhr von einem vorbeifahrenden einheimischen Autofahrer, in Ägypten die Weisse Wüste und die Shishas (Wasserpfeife) inkl. dem  Shai (Tee) der mir überall angeboten wurde. Im Sudan die sprichwörtliche Wüsten Gastfreundschaft. In Äthiopien  der grosse Grabenbruch und das tolle italienische Essen. Kenia mit seinem Mount Kenia und der sehr freundlichen Bevölkerung, Uganda, das demokratischste Land mit seiner einmaligen Landschaft. Ruanda mitten im Vulkangebirge, und einer Bevölkerung, die nach dem Genozid nach vorne schaut und nicht zurück. Burundi, wo ich wahrscheinlich seit Jahrzehnten der erste Individual Reisende auf dem Velo war, der das durch jahrzehntelangen Bürgerkrieg geplagte Land durchquerte, in all seiner Armut, mit den sehr freundlichen Leuten. Sambia, ein sehr entwickeltes Land mit einer sehr angenehmen zurückhaltenden Bevölkerung, Botswana mit seiner einmaligen Tierwelt, Namibia mit einer einmaligen Naturkulisse und Südafrika, mit all seinem Luxus und Komfort.

Ich möchte mich bei dieser Gelegenheit bei all den Menschen bedanken die mir so viele Emails geschrieben haben. Ihr glaubt gar nicht, wie gut es tut, in „the middle of nowhere“ unter den schwierigsten Bedingungen eine mail zu lesen und zu wissen, da hat jemand an dich gedacht, während du alleine irgendwo im Busch unterwegs warst. Nochmals, vielen Dank an Alle.

Ja, ich würde so eine Reise wieder machen. Immer wieder werde ich danach gefragt. Für mich gesprochen bedeutet „reisen“, das Weltbild aktualisieren, sich Gedanken machen, wie geht es mit einem Kontinent wie Afrika in die Zukunft, und sich Vorort  einen relativ objektiven Eindruck zu machen. Natürlich gehören auch die vielen Sehenswürdigkeiten und die Natur dazu. Ob mit dem Velo oder einem anderen Vehikel lass ich zurzeit dahin gestellt.

Ich habe auf meiner Website wenig über mein Velo „Frischluft Tour“ geschrieben, das mag daran liegen, dass es einfach lief, ohne dass es je ein Problem gab. Die 14000km, teilweise sehr schwierige Piste und die manchmal sehr raue Behandlung (sorry Frischluft), hat es unbeschadet überstanden.

Der Stahlrahmen war sehr angenehm zu fahren, die Rohloffnabe eine Wucht, die Reifen traumhaft. Ich kann jedem das Velo, so wie es dasteht, für eine längere Tour nur empfehlen. Man kann sich nämlich dann auf die Reise konzentrieren und muss nicht immer etwas reparieren.

Ein ganz herzliches Dankeschön an Philipp von der Simpel GmbH und seinem Team, die alles unternommen haben, um mir die Reise so problemlos als möglich zu machen. Merci vielmals.

Auch die vielen Komplimente für meine Website, möchte ich gerne ungefiltert an meinen Freund Achim Bosse weitergeben. Er hat es ermöglicht, dass alle Leser Anteil an meiner Reise nehmen konnten und meine Reise für alle Interessierte im Web steht.

Sollten Leser(innen) so ähnliche Gedanken (Träume) wie ich haben, mit einer solchen Reise, egal auf welche Art, setzt euch einen Abreise Termin und seid offen für alles Neues was euch begegnet!

Have a safe trip!

Günter



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