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Velonomaden

Viele unserer Kunden vollbringen erstaunliche Leistungen mit ihren Velos. Immer wieder hören wir von tollen Velotouren oder auch von beachtlichen Kilometerleistungen für den täglichen Arbeitsweg. Bei Sandra und Ivo haben wir das Abenteuer von Anfang an miterlebt. Nach diversen Beratungsgesprächen haben wir die zwei mit brandneuen Velos ziehen lassen und immer wieder über den Verlauf der Reise gehört. Hier eine Zusammenfassung der Reise die wir ihnen nicht vorenthalten möchten:

Vor knapp einem Jahr haben die zwei Zuger Sandra Gehr und Ivo Moosberger ihre abenteuerliche Radreise in Tadjikistan gestartet. Ihre erste Etappe durch das Pamir-Gebirge erweist sich als harte Probe. Die asiatische Sonne brennt erbarmungslos auf die Strasse, dabei klettert das Thermometer bis auf fünfzig Grad Celsius. Zusätzlich besteht die Strasse aus einem Patchwork von Asphalt, Steinen und Schlaglöchern. So sind die Beiden oft gezwungen ihre Räder zu schieben. Täglich trinken sie 15 Liter Wasser, das sie mit ihrem Wasserfilter aus Bächen pumpen. Sie ernähren sich von Gemüse und Früchten, welche die Bauernkinder am Strassenrand verkaufen. Nach zwei Wochen radeln, erreichen sie den ersten 4000er Pass und somit die Hochebene des Pamirgebriges. Eine unendlich scheinende Steinwüste liegt vor ihnen. Zum ersten Mal kommen sie mit gastfreundlichen Nomaden in Kontakt. Diese ziehen mit ihren Ziegen- oder Yakherden in verlassene Täler, wo sie den Sommer in ihren reich geschmückten Jurten verbringen. Sie leben von ihren eigenen Erzeugnissen wie Milchprodukte, Fleisch, Fladenbrot und Buttertee.


(Bild: Ivo Moosberger)

Das Ziel der Beiden ist es den Nomaden gleich zu tun: nach Möglichkeit schlagen sie ihr Zelt an Gewässern auf, kochen mit Holz oder Yakdung und essen dasselbe wie die lokale Bevölkerung. GPS, Handy und MP3-Player bleiben bewusst zu Hause.

Nach intensiven Wochen liegt der Pamir-Highway hinter ihnen – die Beiden erreichen Kashgar. Ihre Simpel-Fahrräder haben die anspruchsvolle Strecke mit Bravour gemeistert. Hier geniessen sie die abwechs¬lungsreiche chinesische Küche, setzen ihre Räder wieder in Stand und kaufen für die bevorstehende Fahrt durch Tibet reichlich Proviant ein. Mit knapp dreissig Kilogramm Esswaren im Gepäck starten sie die zweite Etappe Kashgar bis Kathmandu. Die ersten Tage fahren sie der Taklamakanwüste entlang, danach geht es über die ersten Pässe auf 5000 Meter über Meer. Auf dieser Höhe ist die Luft dünn und klar und das Vorwärtskommen wir anstrengender. Bald ist die Strasse nicht mehr asphaltiert und die Beiden radeln oder schieben tagelang ihre Räder über steinige Wellblechpisten. Trotz allen Entbehrungen überwiegen viele positive Überraschungen, wie zum Beispiel die Herzlichkeit und das anerkennende Lachen, das ihnen die Menschen am Strassenrand mit auf den Weg geben oder die landschaftliche Schönheit. Auf den vielen Passhöhen flattern unzählige Gebetsfahnen. Der Wind soll die abgedruckten Gebetstexte übers Land verbreiten. Meistens zelten sie an Bächen mit atemberaubender Sicht auf das Himalaya-Gebirge. Die Nächte sind bitterkalt und die Temperaturen fallen oft auf minus 15 Grad Celsius. Der Wasserdampf, den sie in der Nacht ausatmen, kondensiert an der Decke des Innenzeltes, um als weisse Eiskristalle wieder auf ihre Schlafsäcke herunter zu rieseln. Das Trinkwasser, das neben ihnen im Zelt liegt, ist morgens oft gefroren. Alle paar Tage erreichen sie tibetische Dörfer, wo die Velonomaden das Nötigste einkaufen können.


(Bild: Ivo Moosberger)

Die Beiden sind tief beeindruckt von der tibetischen Bevölkerung, die hier auf dem „Dach der Welt“ leben und freuen sich über deren zurückhaltende Neugierde. Durch die Unterdrückung von China scheint jeder ihrer Kontakte zur Aussenwelt genaustens beobachtet zu werden. Dies stimmt die beiden Reisenden nachdenklich, denn das Leben in dieser unwirtlichen Gegend ist doch schon hart genug. Speichenbrüche, zerrissene Felgen und gebrochene Gabeln bleiben uns erspart. Während viele Tourenfahrer mit ihren kaputten Rädern beschäftigt sind, fahren wir auf unseren robusten Simpel-Velos über die Steinige Wellblechpiste.


(Bild: Ivo Moosberger)

Nach dreimonatiger Fahrt durch karges Hochland radeln sie Ende Oktober über den Friendship-Highway Richtung Nepal. Auf schwindelerregender Strasse, die sich durch eine enge Schlucht windet, tauchen sie ab ins saftig grüne Nepal. Hier verbringen die Beiden zwei Monate mit Erholen und mit Trekkings in der Annapurna-Region. Nach einer Winterpause in Indien setzen die beiden Zuger ihre Radreise im Iran fort. Die erste Woche radeln sie durch die Wüste von Yazd nach Esfahan. Da die Sandpisten in alle Himmelsrichtungen führen, sind sie oft auf den Kompass angewiesen. Kurz vor Esfahan werden sie von der Polizei mit Blaulicht ins Stadtzentrum begleitet. Auch sonst erweist sich die iranische Polizei als äusserst freundlich, sie grüsst die beiden Radfahrer über ihre Lautsprecheranlage oder fährt grosse Umwege um mit den Beiden zu plaudern oder sie zu beschenken. Durch das Handelsembargo ist es den Beiden im Iran nicht möglich Geld abzuheben. Die anfänglichen Bedenken bezüglich Geldsorgen schwinden jedoch schnell, da die iranische Gastfreundschaft beinahe grenzenlos ist. Täglich werden sie beschenkt, zum Essen oder über Nacht eingeladen. Der Spagat zwischen Tradition und Hightech wird hier im Iran immer grösser. Einerseits gibt es strenge religiöse Vorschriften wie zum Beispiel die Kopftuchtragpflicht für Frauen, anderseits findet man kaum jemanden, der kein Handy besitzt. Von Esfahan führt der Weg auf ausgezeichneten Strassen weiter Richtung Kurdistan im Grenzgebiet zur Türkei.

Während sechs Wochen geht es weiter durch die Türkei. Anfangs noch über schneebedeckte Pässe, später über blühende Ebenen. Täglich werden die Beiden bis zu sechsmal von lebensfrohen Türken zum Tee eingeladen. Ein gemütlicher Schwatz darf natürlich nicht fehlen. Oft werden sie auf das Skandalspiel Schweiz–Türkei bei der WM-Qualifikation 2005 angesprochen. Jetzt, nach dem Sieg der Türkei von letzter Woche, wäre dies bestimmt kein Thema mehr.

Durch ausgedehnte Wälder gelangen sie nach Istanbul, die Stadt, welche die Kontinente Asien und Europa verbindet. Mit der Fähre fahren sie über den Bosporus und betreten nach neun Monaten wieder europäischen Boden. Von der türkischen Grenze radeln sie quer durch Bulgarien an die Donau, die hier die Grenze zu Rumänien bildet.

Täglich baden sie in der Donau, die von Tag zu Tag schmaler, wärmer und sauberer wird. Nach Möglichkeit schlagen sie direkt am Ufer ihr Zelt auf. Während die Beiden vor einigen Tagen das Abendessen über dem Feuer kochen, entdecken sie plötzlich Biber, die neben ihnen Äste ins Wasser zerren und zu ihrem Bau schleppen, wo ihre Jungen am Ufer planschen. Dies sind eindrückliche Momente. Am folgenden Morgen reisst die Beiden ein Donauschiff, das mit grosser Geschwindigkeit den Fluss hinunter fährt, aus dem Schlaf. Die Wellen sind so gross, dass sie übers Ufer treten und an ihrer Zeltwand hochklatschen und das Zelt unterspülen. Diesen Morgen liegen sie zum ersten Mal auf ihrer Reise in einem Wasserbett, gefüllt mit Schlamm, Flusskiesel, Muscheln und kleinen Krebsen! Als die beiden Velonomaden im Sommer 2008 in Zug ankommen, hat ihr Kilometerzähler seine höchste Kilometerzahl erreicht und ist von 10 000 auf Null gesprungen.

Die toll gemachte Reisezeitung zum Download:(ca. 4MB)





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